Bild

Michael Tippett: A Child of Our Time

Der Brite Michael Tippett hat sein dreiteiliges Oratorium „A Child of Our Time“ für Chor, Orchester und Solostimmen 1939 – 1941 komponiert. Der Titel - deutsch: „Ein Kind unserer Zeit“ - bezieht sich auf die Person des 17jährigen jüdischen Jungen Herschel Grynszpan, der im November 1938 ein Attentat auf den deutschen Botschaftsrat Ernst vom Rath verübt hat, das die Nazis zum Anlass nahmen für die Pogrome gegen die jüdische deutsche Bevölkerung, die „Reichskristallnacht“. Tippett hatte im britischen Ausland durch die Medien von dem Attentat und den Pogromen erfahren und reagierte darauf unmittelbar mit der Komposition dieses Oratoriums. Er reflektiert die Hintergründe und Motive von Grynszpans Tat und ihre Konsequenzen. Das Libretto hat er selbst verfasst; es spiegelt nicht nur seine politische Überzeugung – er war entschiedener Pazifist –, sondern auch seine Beschäftigung mit der analytischen Psychologie C. G. Jungs und den Einfluss seines Mentors, des späteren Literaturnobelpreisträgers T. S. Eliot. Die Musik ist in der Tonsprache modern, aber trotzdem fasslich, und zwar vor allem dadurch, dass Tippett in sein Werk an zentralen Stellen fünf schlichte, jedoch darum umso bewegendere Spirituals eingefügt hat. Die Spirituals, die im 19. Jahrhundert in den U.S.A. als verschlüsselter Protest gegen die Sklaverei entstanden waren, erhalten bei Tippett die universale Bedeutung der Auflehnung gegen jedwede Unterdrückung. Zwischen den Teilen wurden im Bereich des Mittelaltars des Bremer Doms drei Szenen aus Bertolt Brechts „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ (verfasst 1935 – 1939) aufgeführt.

Das Projekt wurde begleitet von einem musik- und kulturwissenschaftlichen Seminar „Music4all: Michael Tippetts ‚A Child of Our Time’ – Analyse und Präsentation fürs Konzertpublikum“, veranstaltet an der Universität Bremen im Wintersemester 2008/09 von UMD Dr. Susanne Gläß. Das Seminar hat in der ersten Arbeitsphase beide Werke analysiert und den historischen Zusammenhang erforscht und anschließend Mappen mit didaktischem Material für die Vorbereitung des Konzertbesuchs für bremische Schulklassen erstellt, ein Programmheft geschrieben und am Sonnabend, den 24. Januar 2009 um 11 Uhr einen Einführungsvortrag im Haus der Wissenschaft/Sandstrasse gestaltet.

Sechs der Arbeitsblätter aus dem Schulmaterial können Sie hier auch direkt als Microsoft Word-Dokumente herunterladen:

Hier finden Sie eine Zusammenfassung des Inhalts des Oratoriums von Susanne Gläß. Bei Angabe der Quelle und Information der Autorin ist die Weiterverwendung gestattet.

Ausführende:
Orchester & Chor der Universität Bremen
Jennifer Bird/Sopran
Maria Kowollik/Alt
Clemens Löschmann/Tenor
Loren Lang/Bass
Korrepetition Chorproben: Stefanie Adler
Stimmbildung Chor: Eleni Schott und Nils Roese
Leitung: Susanne Gläß

mit drei szenischen ZwischenspielenBertolt Brechts Zyklus „Furcht und Elend des Dritten Reiches” ist eine Folge von 24 Einaktern und szenischen Skizzen und entstand zwischen 1934 und 1938 in Brechts dänischem Exil. Dorthin hatte er über die Stationen Prag, Wien und die Schweiz flüchten müssen. Bereits 1937 wurde die Szene „Der Spitzel” in der Moskauer Zeitschrift „Das Wort” veröffentlicht; acht weitere Stücke aus dem Zyklus wurden im Mai 1938 in Paris vor Exildeutschen uraufgeführt. aus Bertolt Brechts „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ (geschrieben 1935 – 1939)
Die jüdische Frau – Der Verrat – Die Bergpredigt
Expedition TheaterDie Gruppe „Expedition Theater“ wurde 2004 von dem Schauspieler Peter Eberst gegründet und zeigt seitdem Theater abseits der klassischen Theaterbühne: im Sozialamt, in Sitzungssälen, Museen, Büchereien und Kindergärten. Die Gruppe sucht in den von ihr ausgewählten Stücke immer den Bezug zum Aktuellen und zur gesellschaftlichen Situation. Bisherige Produktionen waren: 2004 das Kindertheaterstück „Spatz Fritz“, 2005 „Die Humanisten“ von Ernst Jandl und „Der Schalter“ von Jean Tardieu, 2007 Brechts „Kreidekreuz“, konzipiert als szenische Führung durch die Villa ten Hompel/Münster, und 2008 das Kindertheaterstück „Die Gebrüder Lautstill“. Die Mitglieder von Expedition Theater arbeiten alle hauptberuflich im Bereich Schauspiel und Regie: Carsten Bender, Peter Eberst und Silvia Jedrusiak sowie Alban Renz, der bei den Brecht-Szenen Regie führt. (Münster) mit Carsten Bender, Peter Eberst, Silvia Jedrusiak und Alban Renz; Regie: Alban Renz

Konzert:
Bremen, St. Petri-Dom, 27. Januar 2009, 20 Uhr