Bild

Französische Romantik

Félix Alexandre Guilmant: Symphonie Nr. 1 d-Moll für Orgel und Orchester op. 42 (komp. 1878)
Gabriel Fauré: Requiem op. 48 (nach der Fassung von 1899)

Eine zentrale Rolle spielten am Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich die Organisten – Saint-Saëns, Franck, Fauré, Widor und Guilmant waren alle im Brotberuf Organisten. Sie wurden in ihrem gesamten kompositorischen Schaffen – nicht nur für Orgel, sondern auch für Orchester - wesentlich beeinflusst durch die neuen, am symphonischen Ideal orientierten, klangmächtigen Orgeln des bedeutenden französischen Orgelbauers Aristide Cavaillé-Coll. Auch der deutsche Orgelbauer Wilhelm Sauer hat ein Jahr lang bei Cavaillé-Coll gearbeitet. Es gibt nur wenige Instrumente in Norddeutschland, die einer Aufführung der ersten Symphonie für Orgel und Orchester von Guilmant gewachsen sind, die dieser bedeutende Organist und Komponist 1878 selbst auf einer Cavaillé-Coll-Orgel in Paris uraufgeführt hatte; dazu zählen die Sauer-Orgel im Bremer Dom und die Orgel in der Hamburger Hauptkirche St. Nikolai.

Die beiden Werke des Programms „Französische Romantik“ zeigen zwei sehr unterschiedliche Gesichter dieser Epoche: Guilmants Symphonie ist im Material an barocken Vorbildern und formal an der klassischen Symphonie orientiert. Sie kontrastiert Wuchtigkeit mit romantischer Süße und fast asketischer Kargheit. Ihr Gestus ist extrovertiert. Guilmant war ein konservativer Katholik; wer das weiß, erkennt das auch in seiner Musik wieder. Faurés Katholizismus dagegen war sehr persönlich gefärbt; nicht zufällig hatte er eine Zeitlang erwogen, eine Oper über Buddha zu schreiben. Seinem Requiem fehlt die Androhung des Jüngsten Gerichts, stattdessen stellt er die Ruhe des Todes („requies“) in den Mittelpunkt seiner Vertonung des traditionellen lateinischen Requiem-Textes. Entsprechend nach innen gewendet ist der Gestus seiner Musik. Obwohl auch in Faurés Requiem die Orgel im Orchester eine ungewöhnlich bedeutende Rolle spielt und barocke Vorbilder ihre Spuren hinterlassen haben, etwa im zweiten und dritten Satz, hören wir heute in seiner Musik vor allem die Modernität und erkennen im Requiem musikalisches Material, auf dem die Minimal-Music-Komponisten des 20. Jahrhunderts aufbauten, insbesondere Faurés Enkelschüler Philip Glass.

Das Projekt wurde begleitet von einem musik- und kulturwissenschaftlichen Seminar „Werke der französischen Romantik: Analyse und Präsentation fürs Konzertpublikum“, veranstaltet an der Universität Bremen im Wintersemester 2007/08 von UMD Dr. Susanne Gläß. Das Seminar hat in der ersten Arbeitsphase beide Werke analysiert und den historischen Zusammenhang erforscht und anschließend Mappen mit didaktischem Material für die Vorbereitung des Konzertbesuchs für bremische und hamburgische Schulklassen erstellt, ein Programmheft geschrieben, am Sonnabend, den 9. Februar 2008 um 11 Uhr einen Einführungsvortrag im Haus der Wissenschaft/Sandstrasse gestaltet und in einer zweistündigen Rundfunksendung zum Konzert mitgewirkt, die Hans-Peter Raiß (Radio Bremen) erstellt hat und die am Donnerstag, den 7. Februar 2008 um 20.05 Uhr auf Nordwestradio gesendet worden ist.

Ausführende:
Orchester & Chor der Universität Bremen
Wolfgang Baumgratz/Orgel
Sebastian Schröder/Sopran
Nils Roese/Bariton
Leitung: Susanne Gläß
Stimmbildung: Nils Roese
Korrepetition der Chorproben: Stefanie Adler
Das Orchester dankt den Bremer Philharmonikern für das Coaching zweier Orchesterproben: Karola von Borries (Streichinstrumente) und Peter Müntel (Holzblasinstrumente)!

Konzerte:
Hamburg, Hauptkirche St. Nikolai, Freitag, 8. Februar 2008, 20 Uhr
Bremen, St. Petri-Dom, Dienstag, 12. Februar 2008, 20 Uhr