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Besuch des Chors der Shanghai University vom 18. – 22. Juli 2014 in Bremen mit gemeinsamen Konzerten mit Orchester & Chor der Universität Bremen: „Lust auf Musik“

Auf der Konzertreise nach China im September 2013 war die erste Station des Chores und von Mitgliedern des Orchesters der Universität Bremen der Besuch beim Chor der Shanghai University gewesen.Ankunft von fünf Gästen Jetzt kam der Chor aus Shanghai mit 45 Mitgliedern zum Gegenbesuch nach Bremen. Die meisten Mitglieder des Chores waren zum ersten Mal in Europa. Dadurch, dass sie in den privaten Wohnungen und Wohngemeinschaften der Mitglieder und FreundInnen des Chores und des Orchesters der Universität Bremen untergebracht waren, machten sie gleich in der ersten Nacht nach ihrer Ankunft am Freitag spätabends am Bremer Flughafen eine intensive Erfahrung mit deutschem Leben, deutschen Menschen, Wohnungen, Badezimmern, Betten und Essen und die deutschen GastgeberInnen hatten gleichzeitig die Gelegenheit, ihre chinesischen Gäste wiederzusehen oder kennenzulernen.

Es folgten intensive Proben und zwei Konzerte gemeinsam mit beiden Chören. Beim Treffen in Shanghai hatten die beiden Dirigentinnen sich bereits auf Lieder verständigt gehabt, die beide Chöre zu Hause vorbereiten und gemeinsam singen wollten. Auf dem gemeinsamen musikalischen Programm sollten als Reverenz an die deutsche Musikkultur deutsche Lieder und als Reverenz an die chinesische Musikkultur chinesische Lieder stehen. Die Auswahl der drei gemeinsam zu singenden deutschen Lieder setzte eine Idee von Hailun Chu, der chinesischen Dirigentin, um, die nicht nur Felix Mendelssohn Bartholdy, sondern auch seine Schwester Fanny Hensel kennt und schätzt.

Beim Konzert in der GutsscheuneDie chinesischen Lieder hatte der Chor der Universität Bremen bereits im Konzert in Shanghai in einer Aufführung durch den Partnerchor allein gehört. Besonders das moderne Arrangement des chinesischen Liedes „Tuberose“ mit kleinen Bewegungselementen hatte dem deutschen Chor sehr gefallen. Es enthält ein Solo für eine Männerstimme, das der chinesische und der deutsche Solist, Yang Jie und Patrick Köhn, gemeinsam gesungen haben. Die Aufführung dieses Liedes wurde auf Video aufgezeichnet und ist auf YouTube zu sehen.

Die praktische Zusammenarbeit beider Chöre war ausgesprochen leicht, da beide Chöre sich gut auf Englisch verständigen konnten. Wirklich harte Arbeit aber war es für den deutschen Chor vorher gewesen, die chinesischen Texte auswendig zu lernen. Doch nachdem diese Klippe gemeistert war, stellte sich heraus, dass es sich in der vokalreichen chinesischen Sprache ganz ausgezeichnet singen lässt. Der Bremer Chor dankt seinem Chormitglied, der Austauschstudentin Yi Yang aus Qingdao, herzlich für die geduldige Hilfe beim Erlernen der richtigen chinesischen Aussprache.

Neben den beiden Chören wirkte auch das Orchester der Universität an den gemeinsamen Konzerten mit. Einige Mitglieder des Orchesters waren gemeinsam mit dem Chor für die Aufführung von Orffs Carmina Burana in der Fassung für Chor, Klavier und Schlagzeug mit nach China gefahren.Cellogruppe Jetzt beteiligte sich deshalb auch das Orchester an den gemeinsamen Konzerten und trug als Hauptwerk eine typisch deutsche romantische Sinfonie zum Konzert bei. Der Komponist Max Bruch ist in Deutschland heute vor allem für sein Violinkonzert bekannt; er hat den um eine Generation älteren Felix Mendelssohn Bartholdy stets als den aus seiner Sicht größten deutschen Komponisten (neben Mozart) verehrt. Bruchs Sinfonien sind selbst zu seinen Lebzeiten relativ wenig bekannt geworden. Dabei sind seine Melodien von hinreißender Schönheit und außerordentlicher Komplexität und perfekt auf die Instrumente zugeschnitten, für die er sie komponiert: etwa das gesangliche Hornthema im ersten Satz der dritten Sinfonie oder das rhythmisch hochdifferenzierte, melodisch wendige und knifflige Thema der Geigen im ersten Satz oder das spukhafte Fagottthema im dritten Satz derselben Sinfonie. Doch all das und die Transparenz des musikalischen Satzes trafen bei seinen Zeitgenossen, die damit beschäftigt waren, sich zwischen Wagner und Brahms zu entscheiden, auf nur mäßiges Interesse. Für uns Heutige ist Bruchs Fortentwicklung des Mendelssohn‘schen Klangideals hinein ins größer besetzte und in den Mittelstimmen ausdifferenzierte spätromantische Orchester – besonders beeindruckend im zweiten Satz seiner dritten Sinfonie - dagegen eine Entdeckung.

Beim Besuch im Rathaus

Neben den Konzerten und der hautnahen Erfahrung von deutschem Alltag durchs Leben in deutschen Haushalten wurde den chinesischen Gästen natürlich auch ein möglichst vielfältiges Programm angeboten: ein offizieller Empfang im Rathaus durch den Bremer Altbürgermeister Dr. Henning Scherf, durch die Konrektorin der Universität Bremen, Prof. Dr. Yasemin Karakaşoǧlu sowie durch die Leiterin des Bremer Konfuzius-Instituts, Prof. Jianping Zhang, ein Einblick ins deutsche politische Leben durch einen Empfang in der Bremer Bürgerschaft durch Dr. Anja Eckhardt, eine Vorführung deutscher Markenprodukte durch eine Besichtigung des Sebaldsbrücker Mercedes-Werkes und des Chocoversums (Hachez-Schokolade) in Hamburg, eine Stadtführung durch Bremen und durch Hamburg mit Hafenrundfahrt und Gelegenheit zum Shoppen. Zum Abschluss des Besuchs haben die Bremer Mitglieder aus Chor und Orchester ihre chinesischen Gäste zu einem großen Grillabend mit selbst gemachten Salaten an den Uni-See eingeladen. Das Bremer Wetter spielte mit; es war ein wunderbar warmer Sommerabend. Während langsam die Sonne über dem Uni-See unterging, badeten und spielten beide Chöre in kleinen Gruppen gemeinsam im See, spielten Wikinger, sangen gemeinsam zur Gitarre oder hockten einfach nur an den verglühenden Grillfeuern und rösteten Marshmallows.

Dieser Besuch des Chors der Shanghai University ist von der Karin und Uwe Hollweg Stiftung, von der Waldemar Koch Stiftung, von der Sparkasse Bremen, von der Universität Bremen und vom Förderverein Universitätsmusik an der Universität Bremen e.V. großzügig unterstützt worden. Die Universitätsmusik dankt allen sehr herzlich.

Konzert Sonnabend, 19. Juli 2014, 20 Uhr, Gutsscheune Stuhr/Varrel

  1. Alexander Tscherepnin (1899 – 1977): Sonatina für Pauken und Orchester op. 56
    komponiert 1954 nach der Fassung für Pauke und Klavier von 1939
    Max Bruch (1838 – 1920): Symphonie Nr. 3 E-Dur, komponiert 1882

    Coaching Streichinstrumente: Annette Behr-König (Bremer Philharmoniker)
    Coaching Holzblasinstrumente: Daisuke Nagaoka (Bremer Philharmoniker)
    Coaching Blechblasinstrumente: Stefan Ruf (Bremer Philharmoniker)
    Korrepetition Chorproben: Stefanie Adler

    Ausführende: Christian Süssle/Pauke, Orchester der Universität Bremen (Konzertmeister: Sören Schulze), Leitung Susanne Gläß
  2. Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847): „Die Nachtigall“
    Nr. 4 aus „6 Lieder für Sopran, Alt, Tenor und Bass. Im Freien zu singen“, op. 59
    Text: Johann Wolfgang von Goethe, komponiert Juni 1843

    Susanne Glaess dirigiert Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847): „Ruhetal“
    Nr. 5 aus „6 Lieder für Sopran, Alt, Tenor und Bass. Im Freien zu singen“, op. 59
    Text: Ludwig Uhland, komponiert März 1843

    Fanny Hensel (1805 – 1847): „Im Wald“
    Nr. 6 aus „Gartenlieder – Sechs Gesänge für Sopran, Alt, Tenor und Bass“, op. 3
    Text: Emanuel Geibel, veröffentlicht 1846

    Ausführende: Chöre der Shanghai University und der Universität Bremen, Leitung Susanne Gläß
  3. 第一场赴德演出曲目
    中国近现代创作歌曲 Die Entstehung der heutigen Lieder

    天 路 屈塬 词 印青 曲 王千一编配 „Himmlische Straße”
    komponiert von Yin Qing, arrangiert von Wang Qianyi, Text von Qu Yuan

    我有一个恋爱 徐志摩 词 冉天豪曲 „Ich habe eine Liebe“
    komponiert von Ran Tianhao, Text von Xu Zhimo

    水调歌头 明月几时有 {宋} 苏轼 词 王千一曲 „Mond, enthülle ihr Gesicht von neuem!“
    komponiert von Wang Qianyi, Text von Su Shi

    诗 潘星子民 词曲 Gedicht von Xingzimin Pan

    望 月 国风 词 印青 曲 王千一编配 „Gespräch mit dem Mond“
    komponiert von Yin Qing, Text von Guo Feng

    合唱音画 江南组曲 狄其安 李成富词 狄其安曲 Suite südchinesischer Chormusik (Chinesische Kantate)
    komponiert von Di Qi An, Texte von Di Qi An und Li Cheng Fu
    第一乐章 古镇 1. Satz: Alte Stadt
    第二乐章 春雨 2. Satz: Frühlingsregen
    第三乐章 开捕 3. Satz: Beginn des Fischens
    第四乐章 采莲 4. Satz: Lotussamen sammeln
    第五乐章 龙舟 5. Satz: Drachenboot

    Ausführende: Chor der Shanghai University, Leitung Hailun Chu
  4. 半个月亮爬上来 中国新疆民歌 王洛宾曲 合唱编写杨嘉仁 Serenade
    komponiert von Wang Luobin unter Verwendung eines Volksliedes aus Xinjiang, arrangiert von Yang Jiaren

    Hailun Chu dirigiert 茉莉花 中国江苏民歌 合唱编写 陈一„Jasminblüte”
    Chinesisches Volkslied aus Jiangsu, arrangiert von Chen Yi

    在那遥远的地方 中国青海民歌 合唱编写 河西保郎 „An diesem fernen Ort“
    Liebeslied aus Qinghai, arrangiert von Nixigawa Holang

    夜来香 黎锦光 词曲 合唱编写 刘文毅 „Duft der Tuberose“
    komponiert und gedichtet von Li Jinhui, arrangiert von Liu Wenyi

    Ausführende: Chöre der Shanghai University und der Universität Bremen, Leitung Hailun Chu

Konzert Sonntag, 20. Juli 2014, 19.30 Uhr, Garten des „Haus am Walde“/Bremen

  1. Programm wie am 19. Juli
    Ausführende: Christian Süssle/Pauke, Orchester der Universität Bremen (Konzertmeister: Sören Schulze), Leitung Susanne Gläß
  2. Programm wie am 19. Juli
    Ausführende: Chöre der Shanghai University und der Universität Bremen, Leitung Susanne Gläß
  3. 以中国传统歌曲为主
    中国传统民歌 Traditionelle chinesische Volkslieder

    掀起你的盖头来 乌兹别克族民歌 王洛宾记谱填词 „Hebe deinen Schleier“
    Usbekisches Volkslied, aufgeschrieben von Luobin Wang, Text von Luobin Wang

    再别康桥 匿名 曲 徐志摩 词 „Abschied von Cambridge“
    KomponistIn unbekannt, Text von Zhimo Xu

    玛依拉 哈萨克民歌 王洛宾 编曲 瞿希贤改编合唱 „Mayila“
    Kasachisches Volkslied, arrangiert von Luobin Wang, neu komponiert von Xixian Qu

    阿拉木汗 新疆民歌 谢功成 编曲 „Alamuhan“
    Volkslied aus Sinkiang, arrangiert von Gongcheng Xie

    青春舞曲 维吾尔族民歌 王洛宾 搜集整理 王世光 编曲 „Tanz der Jugend“
    Uigurisches Volkslied, gesammelt von Luobin Wang, arrangiert von Shiguang Wang

    康定情歌 四川民歌 Liebeslied aus Kangding
    Volkslied aus Sichuan

    牧歌 东蒙民歌 安波记谱 海默 词 瞿希贤 编合唱 Pastorale
    Ostmongolisches Volkslied, notiert von Bo An, neu komponiert von Xixian Qu, Text von Mo Hai

    Ausführende: Chor der Shanghai University, Leitung Hailun Chu
  4. Programm wie am 19. Juli
    Ausführende: Chöre der Shanghai University und der Universität Bremen, Leitung Hailun Chu
Am Ende des Konzerts

Zu beiden Konzerten gab es ausführliche Programmblätter. Das Programmblatt zum Konzert in Stuhr finden Sie hier, das zum Konzert in Bremen hier. Beachten Sie auch die Presseberichte und die Bilder sowie das Video.