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Kritiken zum Konzert im Wintersemester 2010/2011

aus Weser-Kurier vom 07.02. 2011:

Kantaten über einen Indianer

Chor und Orchester der Uni stellen Werk von Coleridge-Taylor vor

VON GERD KLINGEBERG

Bremen. Vom heldenhaften Ojibwa-Häuptling Hiawatha erzählt ein sprachgewaltiges Epos des amerikanischen Dichters Henry Longfellow. Der hierzulande kaum bekannte, im angelsächsischen Bereich jedoch überaus populäre farbige Londoner Musiker Samuel Coleridge-Taylor hat es vertont und 1898 mit riesigem Erfolg uraufgeführt. Jetzt hatten sich Chor und Orchester der Universität Bremen die zwei aus der Hiawatha-Trilogie stammenden Kantaten "Hiawatha's Wedding Feast" und "The Death of Hiawatha" vorgenommen, um sie unter der präzisen Leitung von Susanne Gläß in der Glocke zu präsentieren. Ein Experiment, das bestens gelang.

Als nur mäßig hilfreich (mangels guter Verständlichkeit) erwies sich allerdings die ausgedehnte Vorab-Lesung der übersetzten Kantatentexte durch Henning Scherf. Das Besondere am Opus des jung verstorbenen Komponisten, der sich auch von Dvořák inspirieren ließ, ist nämlich weniger die gewählte Indianerthematik, als vielmehr die breit variierte Fülle musikalischer Einfälle, die satte Farbigkeit der Harmonien und die melodische Eingängigkeit. In seiner bildhaften Ausprägung weist das Werk zudem typische Elemente angelsächsischer romantischer Chortradition auf, wie sie etwa bei Edward Elgar zu finden sind. Dazu gehören neben narrativen Passagen auch immer wieder solche mit heroisch-hymnischem Einschlag, die der Chor mit leidenschaftlicher Begeisterung intonierte. Ein Manko dagegen so mancher eher diffus klingender chorische Einsatz in dieser insgesamt gut hörbaren, aber hinsichtlich ihrer gesangstechnischen Anforderungen keineswegs einfachen Komposition, bei der die Freude eines rauschenden Hochzeitsfestes, aber auch bittere Kälte, Hunger, Verzweiflung und Tod eindrücklich charakterisiert werden.

Das Orchester folgte konzentriert und recht präzise der klaren dirigentischen Vorgabe; eine ausgeprägtere Dynamik hätte jedoch den dramatischen Aspekt einzelner Passagen intensiver unterstreichen können. Die drei Solisten Irina Wischnizkaja (Sopran), Clemens-C. Löschmann (Tenor) und Peter Kubik (Bariton), lieferten mit ihren leider nur kurzen Partien echte Höhepunkte, sangen makellos, ausdrucksstark und mit klangvoll warmem Timbre, also mit viel Stimme und Herz. Eine schöne Abrundung dieser Aufführung, die mit rauschendem Beifall bedacht wurde.

Weitere Informationen zu diesem Programm finden Sie hier. Beachten Sie auch die Bilder zum Konzert am 5. Februar 2011 sowie die Hörbeispiele.