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Kritiken zum Konzert im Wintersemester 2007/2008

aus Weser-Kurier vom 14.02. 2008:

Kontemplative Ruhe nach dem Sturm
Chor und Orchester der Universität mit sehr gegensätzlichen Werken von Guilmant und Fauré im Dom

Von unserem Mitarbeiter
Manfred Züghart

BREMEN. Die erste Orgelsymphonie von Alexandre Guilmant und das Requiem Gabriel Faurés stammen aus einer Zeit und sind doch von gegensätzlichem Charakter. Guilmant trumpft auf mit dynamischen Kontrasten und der Vielfalt verfügbarer Formen seiner Zeit. Fauré ist dem Geiste der Kammermusik verpflichtet, hat wenig im Sinn mit dramatischen Schilderungen des Jüngsten Gerichts in der Art von Berlios oder Verdi, ist eher feinfühlig, ja defensiv in seiner Musik. Welche dieser beiden so gewichtigen und doch im Kern divergierenden Klangschöpfungen an den Anfang stellen, wenn sie in einem Konzert zu vereinen sind?
Das vielseitige Programmheft des Konzerts von Chor und Orchester der Universität Bremen reiht denn auch auf zwei Seiten Argumente von Studenten aneinander. Entschieden hat sich Susanne Gläß, die führungsstarke Dirigentin des stattlichen Hochschulensembles, bei dem Konzert im Dom dafür, mit der Orchesterfassung der Orgelsymphonie zu Beginn aufzutrumpfen, um dann, nach einem bemessenen Pauseneinschnitt, das kontemplative Werk Faurés auszubreiten.
Dabei glättete die große sinfonische Orchesterbesetzung durch die zwangsläufig sich aufbauschenden Steigerungen im Verlauf des Requiems den Kontrast. Fauré selbst soll ja noch Anno 1900, wie berichtet wird, bei einer Aufführung mit nicht mehr als 21 Instrumentalisten die Klangvorstellungen hinsichtlich seines Requiems verwirklicht haben. "Es ist so sanftmütig wie ich selbst", soll er gesagt haben, und: dass er den Tod nicht als ein schmerzliches Ereignis, sondern eine willkommene Befreiung ansehe.
Wie man sich als Interpret nun auch entscheidet, die klangprächtige Besetzung verlieh nicht nur der Orgelsymphonie ein wirkungsvolles Profil. Domkantor Wolfgang Baumgratz hatte ja schon vor zwei Wochen das Guilmant-Opus ohne orchestrale Einbindung vorgestellt. Reizvoll zu verfolgen, wie der Komponist sein Werk durch instrumentale Klangvielfalt weitete. Ein nahtloses Zusammenwirken bei dieser ja nicht unproblematischen Verknüpfung von konzertierender Orgel und höchst aufmerksam mitgehenden Instrumentalisten machte dergleichen zum Vergnügen.
Das Requiem von Fauré fand in großer Besetzung mit rund 70 Instrumentalisten und 120 Choristen (ohne Leihkräfte, wie im Begleitheft versichert wird) eine durchmodellierte, reich schattierte Fassung, bei der Bewegungsverläufe plastisch herausgearbeitet wurden, ohne dass je das vollständige Klangbild in Schieflage geriet.
Mit großen dramatischen Ausbrüchen war bei dieser Musik, wie gesagt, nicht aufzuwarten. Aus den Schrecknissen des "Dies irae" hatte Fauré ja auch nur die letzten Zeilen, die Beschwörung der ewigen Ruhe vertont. Nach dem Zeugnis von Nadja Boulanger sei das für die seinerzeitige Amtskirche ein Skandal gewesen. "Requiem", Ruhe ist das erste und auch das letzte Wort der Fauré-Vertonung.
Nach der Atempause am Schluss folgte der durchaus nicht zurückhaltende Beifall einer den Dom füllenden Zuhörergemeinde. Beifall für das gesamte Universitätsprogramm, den "großen" Vokalsolisten Nils Roese wie den ganz jungen Sebastian Schröder, für Orchester und Chor, zum Schluss überschwänglich und auch seitens der Mitwirkenden für Susanne Gläß, die Initiatorin und Dirigentin des ereignisreichen Geschehens.

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