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Presseberichte zum Konzert in der Gutsscheune Stuhr/Varrel am 22. Juni 2009

aus Weser-Kurier vom 24.06. 2009:

Musikalischer Besuch vom Bosporus in Varrel

Chor aus Istanbul und der Bremer Uni-Chor traten in der Gutsscheune auf und freuten sich über viel Applaus

Von Fritz Hopfgarten

Stuhr-Varrel. Die Gutsscheune Varrel entwickelt sich zusehends zum Treffpunkt internationaler Musik. Am Montagabend war dort aus Istanbul der 45-köpfige Chor der Bogaziçi- Universität zu Besuch, den seit drei Jahren der gerade 23-jährige Burak Erdem leitet.
Unter dem Titel „Lust auf Musik“ zeigten die jungen Leute vom Bosporus ihr überragendes Können – wie auch der ebenfalls angetretene Chor der Universität Bremen unter Susanne Gläß. „Unsere Gäste weilen zum Schluss ihrer Deutschland-Tournee bei uns“ freute sie sich.
Das Ein-Stunden-Programm des türkischen Studenten-Chors umfasste internationale Chormusik: Ein Kyrie von Mozart, eine Komposition von Monteverdi, „Rosmarin“ von Brahms, ein Roma-Lied von Goran Bregovic und „Katalanische Weihnacht“ von Pablo Casals. Natürlich aber wurden auch türkische Kompositionen vorgestellt. Von den „Türkischen Fünf“, worunter die wichtigsten zusammengefasst werden, waren drei zu hören: Hasan Ferid Alnar (1906-1978), Ulvi Cemal Erkin (1906-1972) und Ahmed Adnan Saygun (1907-1991). Doch auch sehr modern anmutende Schöpfungen der zeitgenössischen Hasan Uçarsu und Can Aksel Akin hatten die sehr diszipliniert singenden Künstler einstudiert. „Wir stellen viele Teile unseres Landes vor“, versprach der eindringlich dirigierende Burak Erdem. Er besuchte wie viele seiner Chormitglieder die Deutsche Schule in Istanbul.

Musik fand den Weg in die Herzen

Die für deutsche Ohren fremd klingende türkische Musikwelt fand ihren Weg in die Herzen. Verschiedene Solisten – insbesondere Sopranistin Ayse Seren Akyoldas – bezeugten die hohe Singkultur des Chors. Er erntete deshalb uneingeschränkten Applaus – wie schon zuvor in Wolfenbüttel und Hannover, wie vom strahlenden Dirigenten zu erfahren war.
Den zweiten Konzertteil an dem Abend gestaltete der Bremer Uni-Chor mit afrikanischer Chormusik. „Wir haben sie vom Chor der Universität Windhoek gelernt, als er uns vor einem Jahr besuchte“, bekannte Dirigentin Gläß. Bei ihrem Gegenbesuch vergangenen Herbst in Namibia hätten sie ihre Kenntnisse noch ausbauen können. Und so sangen sie nicht nur in verschiedenen Namibia- Sprachen, sondern auch in Zulu der Republik Südafrika – aber auch Lieder aus Kenia in Ost- und Benin in Westafrika.
Es war ein Erlebnis, die verschiedenen Vortragsweisen zu erleben: Von versonnenem Miteinandersein bis temperamentvoller gemeinsamer Gymnastik mit überschäumender Stimmführung der Solisten reichte die Skala. Das steckte vor allem die türkischen Gäste zu wahren Beifallsstürmen an.
Zuletzt stimmten die Bremer einen Kanon von Haydn an, die Türken antworteten und gesellten sich zu ihnen auf die Bühne. Und alle sangen gemeinsam plattdeutsch „Dat du mien Leevsten büst“. Dann übernahm Burak Erdem die Leitung beim aserbaidschanischen „Laçin“ mit den so ungewohnten Rhythmen, Tempi und Harmonien. Mit Sayguns Istanbuler Volkslied „Katibim“ erfreuten die fast 90 Sänger ihr Publikum mit den unterschiedlichsten Variationen.
Das Programm schloss mit einem getanzten Chorus in Xhosa, einer südafrikanischen Sprache – doch nicht der musikalische Abend. Denn Susanne Gläß rief beide Chöre noch zu einem schnell zu lernenden Afrika-Chor auf – mit durchschlagendem Erfolg. Der Chor der Bogaziçi Universität brachte ein vielfältiges Programm zu Gehör. So sangen sie auch Werke von Mozart und Brahms. Zum Abschluss sagen die Türken gemeinsam mit ihren Bremer Gastgebern.

aus Kreiszeitung vom 24.06. 2009:

Lieder aus der ganzen Welt

Uni-Chöre aus Bremen und Istanbul sangen in Varrel

VARREL (bt) "Singen verbindet Menschen aus aller Welt und bringt Menschen aus aller Welt zusammen". Mit diesem Statement begrüßte die Universitäts-Musikdirektorin der Uni Bremen, Susanne Gläß, die Besucher in der Gutsscheune zu einem Konzert. Das Programm gestalteten der Chor der Bogazici-Universität Instanbul und der Chor der Universität Bremen.

Im ersten Teil sang der türkische Chor unter der Leitung des erst 23 Jahre alten Dirigenten Burak Erdem Lieder aus seinem Repertoire, das ein sehr breites Spektrum abdeckt: Lieder von Mozart, Monteverdi, Brahms und Casals wechselten ab mit Liedern aus den verschiedenen Regionen der Türkei. Damit zeigte sich der Chor als Vertreter der Europa zugewandten Seite der modernen Türkei. Er bewies gleichzeitig sein gesangliches Potential, denn die unterschiedliche Herkunft ihrer Lieder stellte an das Können der Sängerinnen und Sänger hohe Ansprüche.

Dem wurden die fast 40 Sängerinnen und Sänger gerecht. Anschließend sang der Bremer Uni-Chor mehrere Lieder aus Afrika und zeigte damit, dass die Sängerinnen und Sänger während ihrer Konzertreise nach Namibia nicht nur Lieder gesungen, sondern auch viele gelernt haben. Das Repertoire reichte von moderner südafrikanischer Musik bis zu alten, mündlich überlieferten Songs. Dabei gefiel nicht nur die Urtümlichkeit der Lieder, sondern auch die Performance. Die Musiker sangen die für südafrikanische Musik charakteristischen "Klix"-Laute und bewegten sich im wilden Rhythmus ihrer Gesänge. Fast unauffällig mischten sich anschließend die Gäste aus Istanbul unter die Bremer Sängerinnen und Sänger. Die gemeinsam gesungenen Lieder, einen von Haydn vertonten Text von Goethe, das plattdeutsche "Dat du mien Leevsten bist!", und weitere Lieder aus Aserbaidschan, der Türkei und aus Südafrika ließen sicht- und hörbar erleben, wie Musik die Menschen in der Welt verbindet.