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Presseberichte zum Konzert im Sommersemester 2009

aus Weser-Kurier vom 22.05. 2009:

Ekstase beim Tanz ums goldene Kalb

Weill-Erstaufführung in der Glocke

Von Gerd Klingeberg

Bremen. Es ist ein Weg voller Höhen und Tiefen. Mal rau und steinig, mal leichten Fußes zu gehen. Und er endet nicht mit verheißungsvollen Jubelchören, sondern mit einer düsteren Melodik, in der die Ergebenheit des jüdischen Volkes angesichts der heraufziehenden Shoa zum Ausdruck gebracht wird. Kurt Weills monumentale Oper "Der Weg der Verheißung", die die alttestamentarische Geschichte des Volkes Israel in einer gegenwärtig angesiedelten Rahmenhandlung erzählt, war bei ihrer Bremer Erstaufführung in der Glocke lediglich in konzertanten Ausschnitten zu erleben.

Überaus beeindruckend agierte der Chor der Universität, verausgabte sich, sauber artikulierend, mit ekstatischem Fortissimo etwa beim wüsten Tanz ums goldene Kalb ("Das ist ein Gott!") oder schwelgte in verklärend süßlichem Schmelz bei der Vorstellung der Tempelgeräte. Die bieder-folkloristisch anmutenden Aufbruchsgesänge beim Marsch hin zum Gelobten Land, die problemlos in eine Heimatfilmschmonzette gepasst hätten, wurden mit augenzwinkernd ironischem Einschlag trefflich intoniert.

In der Solistenriege glänzten vor allem Jürgen Linn (Mose) und Altistin Nadja Stefanoff (verschiedene Rollen) mit ebenso kraftvoller wie bildhafter Stimmlichkeit. Tenor Christian-Andreas Engelhardt, im 2.Akt als Stimme Gottes noch wenig mitreißend, steigerte sich in seiner David-Rolle zu wundervoll lyrischem Ausdruck. Bei Mihai Zamfir, der in seinem gut gesungenen Rabbi-Part leicht distanziert wirkte, hätte man sich etwas mehr situative Ausgestaltung gewünscht. Bemerkenswert auch der nur kurze, aber imponierende Einsatz des schon betagten Baritons Claus Ocker, der den greisen Samuel mit noch immer sicherer Stimme verkörperte.

Das Universitätsorchester zeigte sich der riesigen Aufgabe insgesamt als durchaus gewachsen und spielte engagiert und feinfühlig unter der stets überaus präsenten Gesamtleitung von Susanne Gläß. Ob das in seiner facettenreichen Vielfalt gewöhnungsbedürftige, gleichwohl eingängige Opus je einen dauerhaften Platz in deutschen Opernhäusern finden wird, sei dahingestellt. Für das Bremer Publikum war es zweifellos ein beeindruckender Auftakt zum Kirchentag. Und Ex-Bürgermeister Henning Scherf, der als Sprecher die einzelnen Szenen erläuterte, titulierte die intensiv farbige Aufführung in seinem kurzen Vorwort als "besondere Erfahrung".